Dietrichstein, ein altes gräfliches, in erster Linie später fürstliches Geschlecht, das aus Kärnten stammt und besonders in Böhmen, Mähren und Niederösterreich reich begütet war.

 

Das Geschlecht zerfiel im 16. Jahrhundert in zwei Hauptlinien:

 

Hollenburg - Finkenstein

 

Sigismund von Dietrichstein, der Gründer der Hollenburgischen Hauptlinie (1484 - 20.5.1540) war ein Liebling Maximilians I. und focht mit Auszeichnung an der Seite Georg von Frundsberg gegen die Venetianer, Maximilian erhob ihn 1514 in den Freiherrenstand. Zu Graz stiftete Dietrichstein 1517 den Orden des hl. Christoph wider das Laster des Trinkens und Fluchens. Mehrmals kämpfte er in den damals ausbrechenden Bauernunruhen. Er war sehr erheblich an der Abfassung des “Theuerdank” beteiligt. Seine beiden älteren Söhne Siegmund Georg (-1593) und Karl von Dietrichstein wendeten sich dem Protestantismus zu, der dritte Adam von Dietrichstein blieb Katholik.
Der letztere und Siegmund Georg teilten die Hollenburgische Hauptlinie in zwei Äste:
in den Hollenburgischen, der 1556 in den Reichsstand erhoben wurde, und 1684 die Reichsfürstenwürde erhielt, aber 1825 im Mannesstamm erlosch
in den Nikolsburgischen, dessen Begründer der genannte Adam von Dietrichstein (7.10.1527-5.2.1590) war, der sich nach der 1575 von ihm erworbenen Herrschaft Nikolsburg Dietrichstein - Nikolsburg nannte, er galt als einer der bedeutensten Staatsmänner seiner Zeit. Von dem nachmaligen Kaiser Maximillian II. im Jahre 1561 nach Rom zu Pius IV. gesandt, bemühte er sich vergebens diesen zu bewegen, in den österreichischen Landen auch den Laien den Genuß des Abendmahles in beiden Gestalten zu gestatten und den Zölibat aufzugeben. 1563-1571 lebte er als Erzieher der Söhne des Kaisers und als österr. Gesandter am spanischen Hofe. Zuverlässige Nachrichten bietet sein Bericht über das Schicksal des Infanten Don Carlos (abgedruckt in Kochs “Quellen zur Geschichte Kaisers Maximillians II. Lpzg 1857). Später auf seinem Schlosse zu Nikolsburg, den Wissenschaften lebend, führte er mit Hugo Blotius, erstem Vorsteher der Kaiserlichen Bibliothek, einen vertrauten Briefwechsel über Gegenstände des Altertums und der damaligen Zeitgeschichte. Kaiser Rudolf II. ernannte ihn dann zum Oberhofmeister und erhob seine Linie 1587 in den Grafenstand.Sein Sohn Franz von Dietrichstein, Bischof zu Olmütz und Statthalter in Mähren (22.8.1570 zu Madrid), stieg schnell in den geistlichen Würden empor, sodaß er bereits 1599 Kardinalpriester und Bischof von Olmütz wurde. Obgleich als Fremder anfangs unbeliebt, wußte er sich doch bald Einfluß dort zu verschaffen und in dem zum Protestantismus neigenden Land selbst mit Erfolg die Gegenreformation zu betreiben. Standhaft weigerte er sich die Ausdehnung des Majestätsbriefes und der Toleranz auf Mähren zu gestatten und schlug durch eigene Kraft den ungarischen Rebellen Boskay aus Mähren hinaus. Ende 1607 zum Präsidenten des Geheimen Rates ernannt, wurde er von Kaiser Rudolf mehrfach als Unterhändler zu dessen Bruder Matthias gesandt, den er dann 1611 zum König von Böhmen krönte. Doch wurde er 1619 bei der Erhebung der Mähren des Landes verwiesen, worauf er erst nach Nikolsburg, dann nach Wien floh. Als aber nach dem Siege Tillys am Weißen Berge bei Prag 1620 Böhmen dem Kaiser wieder unterworfen wurde, unterstützte Dietrichstein den Protestantismus in Mähren und wurde nun zum Generalkommissar, Statthalter und Landeshauptmann in Mähren ernannt. Durch Ferdinand II. war Dietrichstein am 26.3.1624 nach Erwerbung der Herrschaften Leipnik und Weißkirch, die ihm der Kaiser schenkte, und der Herrschaft Kanitz, Polna, Steinabrunn und Libochowitz usw., die er kaufte in den Reichsfürstenstand erhoben, mit dem Rechte, diese Würde auf einen von ihm erwählten Sprößling seines Geschlechtes zu vererben. 1635 zum Protector Germanide ernannt, starb er am 19.9.1636 in Brünn. Seine Besitzungen sowie die Fürstenwürde kamen als Fideikommiß an seinen Neffen Maximilian, Grafen von Dietrichstein, der vom Kaiser am 24.3.1631 die Bestätigung als Nachfolger erhielt und als Personalist mit Virilstimme in den Reichsfürstenstand aufgenommen wurde. (Vgl. a. Voigt, Leben Franz´s Fürsten und Kardinals Dietrichstein Lpzg.1792). Korrenpondenz des Kardinals Dietrichstein mit dem Hofkriegsratspräsidenten Collalto (Lg.Trampler, Wien 1873). Fürst Franz Josef von Dietrichstein, Urenkel des letztgenannten (28.4.1767-8.7.1854), diente in der österreichischen Armee, war aber nachher zu diplomatischen Sendungen nach Petersburg, Berlin und München verwendet worden, und schloß mit Moreau den Ponsdorfer Waffenstillstand ab. Nach dem Frieden von Campo Formio verließ er 1797 die diplomatische Laufbahn, nach dem Luneviller Frieden 1801 auch die militärische. Er wurde 1808 Majorratsherr und erwarb die uralte Stammesburg in Kärnten wieder, verkaufte hingegen Neuravensburg an die Krone in Württemberg. 1809 war er Hofkommissar in dem vom Feinde besetzten Teil Galiziens, wo er bis zum Wiener Frieden blieb. Graf Moritz von Dietrichstein (19.2.1775) war 1798 und 1805 Adjudant des Feldmarschalleutnants Mack von Leiberich und wurde 1815 Oberhofmeister des Herzogs von Reichstadt. Später war er Präfekt der Hofbibliothek und Hoftheaterindentant bis er im Dezember 1848 in den Ruhestand trat. Schon 1862 hatte er auf den ihm nach dem Tode seines Brudersohnes, den Fürsten Joseph von Dietrichstein (-10.7.1858) gebührenden Fürstentitel und auf die fürstliche Fideikomisse Verzicht geleistet. Mit dem Grafen Moritz erlosch am 27.4.1864 die Nikolsburger oder fürstliche Linie des Hauses im Mannesstamm. Der Titel Fürst Dietrichstein zu Nikolsburg ging nun durch Diplom vom 20.3.1869 au den Grafen von Mensdorff-Pouilly, den Schwiegersohn des Fürsten Joseph von Dietrichstein über. Die zahlreichen Besitzungen teilten die Töchter, die Gräfinnen Mennsdorff, Clam-Gallas, Herberstein und Hatzfeld. (Vgl. Weidmann, Moritz Graf von Dietrichstein sein Leben und Wirken aus seinen hinterlassenen Papieren dargestellt Wien 1867).


 


Weichselstätt - Babenstein


 

Die zweite Hauptlinie des Geschlechtes, die Grafen Dietrichstein - Weichselstätt - Rabenstein, blühte bis auf neuere Zeit herab in zwei Speziallinien, die aber 1859 und 1861 ebenfalls ausstarben. (Vgl. res gestae gentis Dietrichsteinae T1. Olmütz 1621 von Benedikt; Die Fürsten von Dietrichstein in den Schriften des Historischen Vereines für Innerösterreich Heft 1 Graz 1848; Feysae; - Die erlauchten Herren auf Nikolsburg, eine geschichtliche Studie Wien 1879.)
Ihren ursprünglichen Sitz hatten die Herren von Dietrichstein in St. Jakob im Lavanttal. Da sie katholisch waren, siedelte Ferdinand II. einige von ihnen zur Zeit der Gegenreformation im Jahre 1620 gleichsam als Bollwerk gegen die Protestanten in Nikolsburg an. Dort gibt es die Dietrichsteinischen Schlösser, den Dietrichstein-Park, heute alles in staatlichem Besitz. Auch in der Umgebung von Nikolsburg hatten die Dietrichsteins zahlreiche Besitzungen wie z.B. ein Eisgrub und Wisternitz. Im Jahre 1675 kaufte Fürst Ferdinand von Dietrichstein aus Nikolsburg das Gut Reichersdorf bei Traismauer. In Nußdorf ob der Traisen steht ein Pestmaterl, an dessen Sockel sich das Dietrichsteinwappen mit den beiden Weinmessern befindet. Im Jahre 1701 heiratete Edmunda Theresa Gräfin von Dietrichstein den Fürsten Lichtenstein, seither befinden sich an den beiden Torbögen des Schlosses Judenau das Lichtensteinische und das Dietrichsteinische Wappen.Durch stetiges Abwirtschaften war schließlich nur noch die Schloßtaverne von Judenau (heutiges GH Reif) im Besitz der Dietrichsteins. Auch dieser Besitz wurde veräußert und mit dem Rest des Geldes das Haus Nr. 21 in Ranzelsdorf gekauft; es ist das Geburtshaus des Maurermeisters Johann Dietrichstein, der dieses Gewerbe lt. Meisterbrief seit 1806 ausübte. Er war auch Großmeister einer Freimaurerloge, wie im Freimaurermuseum in Schloß Rosenau ersichtlich ist. Ungeachtet dessen lebten in Judenau weiterhin zahlreiche Nachkommen der Dietrichsteins. (Franz, Florian, Heinrich, Juliane). Josef Dietrichstein (Gattin Agnes Exel) kam dann mit seinen 7 Kindern Josef, Karl, Johann, Julians, Agnes, Rosa und Josefine nach Chorherrn.


 

Die Dietrichstein bestehen seit 1865 auch noch in einer weiblichen Linie Mensdorff-Pouilly-Dietrichstein. Eine im 30jährigen Krieg nach Schweden ausgewanderte evangelische Linie kam über Rußland 1917 nach Frankreich und besteht ebenfalls noch.


Quellen Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dietrichstein